Angela Merkel weiß seit 25 Jahren, dass 2020 der kritische Punkt in der Klimakrise war und hat Klimaschutz blockiert

Die Bundesumweltministerin und Leiterin der 1. Weltklimakonferenz (COP1, Berlin) Angela Merkel kannte den Bericht des WBGU (1995) [1] wahrscheinlich in- und auswendig , dh Kanzlerin Merkel weiß seit 25 Jahren, dass wir jetzt, dh 2020, einen kritischen Punkt (möglicherweise point of no return) erreichen.

“Die Fortsetzung der gegenwärtigen Emissionspraxis (Business as Usual) würde uns zwar noch ca. 25 Jahre Zeit geben, dann aber innerhalb weniger Jahre einen solch drastischen Minderungszwang erfordern, daß kaum Strukturen und Technologien vorstellbar sind, die diese Minderung erbringen könnten.”
(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, 1995) [1, Seite 1]

Der weltbekannte Klimawissenschaftler James Hansen kommentiert dazu, dass die grösste Lüge (“hoax”) sei, dass Politiker wie Angela Merkel so tun, als ob sie die Klimaerwärmung bekämpfen, während sie tatsächlich nichts tun [2].

Hansen’s long list of culprits for this inertia are both familiar – the nefarious lobbying of the fossil fuel industry – and surprising. Jerry Brown, the progressive governor of California, and the German chancellor, Angela Merkel, are “both pretending to be solving the problem” …

Des Weiteren fasst Journalist Christian Schwägerl [3]  zusammen wie Bundeskanzlerin Merkel in den 16 Jahren ihrer Amtszeit auf vielfältige Weise Klimaschutz blockiert und Industrie und Wirtschaft (vor allem Auto, Kohle, Erdöl, Gas, Landwirtschaft) protegiert hat:

Die andere Angela Merkel ist Machtpolitikerin, deren Position davon abhing, im Netzwerk der Mächtigen Interessen zu bedienen. Diese zweite Merkel hat das Verkehrs- und Infrastrukturministerium ebenso wie das Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerium durchgängig Politikern anvertraut, die Politik fast ausschließlich für große Autos, große Konzerne und große Bauernhöfe gemacht haben und für die Klimaschutz eine lästige Sache war, ein Feld des politischen Gegners, das man eben nicht ganz ignorieren durfte.

Auch Greenpeace Deutschland eine vernichtende Beurteilung der Klimapolitik von Merkel und vieler andere Minister ihrer Regierung  veröffentlicht [4]. Zu Merkels Klimapolitik heißt es:

Zwar hat sie manches Mal mitgeholfen, den Klimaschutz in Europa grundsätzlich voranzubringen, wie zuletzt in 2020, als der europäische Rat eine Anhebung des EU Klimaziels für 2030 beschloss. Wenn aber vitale Interessen betroffen waren, verwandelte sich die Klimakanzlerin flugs in eine Autokanzlerin. Ohne Rücksicht auf den Klimaschutz hat Merkel sich vor den Karren der Industrielobby spannen lassen und die Interessen der heimischen Autokonzerne in Brüssel vertreten, wenn es galt, Emissionsgrenzwerte aufzuweichen. Sie konnte „in letzter Minute Kompromisse umwerfen, wenn die Energie- oder Autoindustrie interveniert hat“, erinnert sich einer, der Merkel oft in Brüsseler Verhandlungsrunden erlebt hat.


Tagesschau, 17. März 1995:


Bundesumweltministerin Angela Merkel, 1997, NDR (Norddeutscher Rundfunk):


Kommentare

Zum früheren Titel “Angela Merkel weiß seit 25 Jahren, dass 2020 der Point of No Return in der Klimakrise ist und handelt nicht” habe ich folgende kritische Anmerkung erhalten und darauf die Formulierung geändert:


Literatur:
[1] WBGU (1995). Szenario zur Ableitung globaler CO2-Reduktionsziele und Umsetzungsstrategien  – Stellungnahme zur ersten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention in Berlin. http://biosphere.wilmarigl.de/wp-content/uploads/2020/07/WBGU_1995_CO2Reduktionsziele_COP1.pdf

[2] https://www.theguardian.com/environment/2018/jun/19/james-hansen-nasa-scientist-climate-change-warning

[3] Schwägerl, Ch. (2021-07-23). Merkels Eingeständnis: Klimapolitik wider besseres Wissen. https://www.riffreporter.de/de/umwelt/merkel-klimawandel-naturschutz-laschet-baerbock-merz

[4] Greenpeace Deutschland (2021-07). Wir haben verhindert – Die 31 schlimmsten Klimabremser der Großen Koalition. https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/210721_s03572_es_gp_schwarzbuch_klimabremse_07_21.pdf

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